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Die richtigen Worte finden

Am schwierigsten habe ich mich beim Erstellen der Website mit den Texten getan. Nein, da half auch kein gut gemeinter Rat-SCHLAG: Mach’s doch mit ChatGPT… Shit in Shit out. Es geht um die richtige Verwendung von Worten. Und schon allein beim Thema Coaching und Therapie lauern die ganzen Fallstricke und Fettnäpfchen.

Hau einfach raus!

Jaaa, neeee. Wenn ich mich mit einem Gegenüber unterhalte, merke ich schnell, dass unsere Sprache verseucht ist. Vielleicht fällt es dir auch mal auf:

  • Impersonalisieren: statt ICH zu sagen, sagt man: jemand, andere, man…
  • Militärische Sprichwortseuche: “Atacke”, “keine Gefangenen”, “Pionierarbeit”, “Bombe platzen lassen”
  • Generalisieren: alles, immer, dauernd, nie oder ständig

Der mechanische Patient

In der Sprache der Medizin wird klar vermittelt, dass der Mensch nicht nur kaputt, sondern auch gänzlich leblos ist. Ein Objekt der Wissenschaft. Irgendwie ist die Ansprache zwar noch so, dass der Kunde Patient das Gefühl der Wertschätzung erhält, aber wenigstens zwischen den Zeilen wird klar: Ohne die Hiilfe eines Experten wird das nix mit der Gesundheit. Schon allein die Versuche des Patienten selbstständig Informationen über seine Befindlichkeiten erhalten zu wollen werden als Angriff gegen die medizinische Autorität angesehen. Ähnlich verhält es sich auch bei Klienten im Coaching.

Der Kunde kann nur mit einem Coach – was übersetzt nichts anderes ist als ein Kutscher – von A nach B gelangen. Der Kutscher hat die Zügel in der Hand. Zwar kann der Kunde sein Ziel definieren, aber nicht den Weg. Dann hat der Coach noch seine “Toolbox”. Also der Werkzeugkoffer, der am lebendigen Objekt eingesetzt wird. Da kommt einem glatt das Sprichwort: “der hat ja ein paar Schrauben locker” in den Sinn. Passend für psychotherapeutische Reparaturmaßnahmen. Dort wird ja auch erstmal ein Fehlerprotokoll erstellt, um dann checklistenartig anhand der Diagnose die ICD und WHO empfohlenen Therapien anzuwenden.

Diese Sprache und das Vorgehen sind tief in mir verankert, so dass das Schreiben eine Art Eiertanz wird. Wie kann ich dir so respektvoll, menschlich und gleichwürdig begegnen, dass in dieser Symbiose die Umstände so verändert werden, dass die Selbstheilungskräfte, die die alleinige Kraft wirklich zu heilen, ungestört arbeiten können?

Worte haben eine innere Wahrheit – sie können dem Seienden entsprechen oder nicht
Die Rede ist wichtiger als der Name – die Rede ist wahr, der Name kann falsch sein
Falsche Verwendung – wenn Worte nicht ihrem wahren Wesen entsprechen, sind sie falsch

Aus Platon, Kratylos
Dr. Eugen Drewermann, Heil und Heilung

Es gibt im 5. Jahrhundert vor Christus einen berühmten Dialog aus der Feder des Philosophen Platon. In dem Dialog Charmides findet sich eine Stelle, in welcher Sokrates, sein Lehrer, berufen wird zu einem jungen Mann, der an chronischer Migräne leidet. Man trägt sich Sinnes, dass Sokrates, weil im Besitz eines Heilkrautes, leicht hin Einfluss haben werde auf die Erkrankung und erwartet, dass er gewissermaßen das Rezept verschreibt zur Einnahme. Aber der Weise von Athen ist den eigentümlicher für ihn charakteristischerweise kompliziert, denn er erklärt, dass er zwar ein solches Medikament besitze, aber es nicht anwenden dürfe. Überkommen nämlich, sei es ihm von einem tragischen Arzt oder Priester des Gottes Zalmoxis. Und dieser barbarische Priesterarzt habe ihm gesagt, Sokrates, siehst du, eben deshalb sind die hellenischen Ärzte ohnmächtig über vielerlei Krankheit, weil wenn du zu einem von ihnen gehst, er sogleich beginnt bei einem Augenleiden, das Auge zu trennen vom Kopf, den Kopf vom Rumpf, den Rumpf von den Gliedern, den Körper von der Seele, aus welcher doch allererst Gesundheit und Krankheit der Menschen entsteigen. Wenn Sokrates du einem solchen Arzt begegnest mit einem Augenleiden, der nicht als erstes dich einlädt zu einem schönen Gespräch, sondern sogleich beginnt zu trennen, dann Sokrates schließt als die Krankheit selber. Eben deshalb erklärt Sokrates, dass er zur förderst Charmides einladen muss zu einem guten Gespräch..

Aus dem Vortrag am Yoga Vidya Kongress 2011 von Dr. Eugen Drewermann, Heil und Heilung
Zusammenfassung aus der Schrift “Charmides” von Platon

Quellen: http://opera-platonis.de/Charmides.pdf, Eugen Drewermann: Vortrag beim Yoga Kongress 2011

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